Künstliche Intelligenz

Geheime ChatGPT-Bildparameter? Was wirklich dahintersteckt.

Geheime ChatGPT-Bildparameter? Prompt-Kürzel wie /bokeh und /studio stehen technischen Einstellungen für Bildgröße, Qualität und Hintergrund gegenüber.
KI-generiert

/bokeh
/studio
/goldenhour
/8k
/crosssection

Vielleicht sind Dir solche Begriffe in Social-Media-Beiträgen zur KI-Bildgenerierung schon begegnet. Teilweise werden lange Sammlungen davon als „geheime ChatGPT-Parameter“, „Codes“ oder besondere Befehle präsentiert.

Die kurze Antwort vorweg:

Nützlich können solche Kürzel durchaus sein. Geheime technische ChatGPT-Parameter sind sie deshalb aber noch nicht.

Für mich lohnt sich eine saubere Unterscheidung zwischen drei Dingen:

Prompt-Kürzel = Merkhilfe.
Prompt = kreative Anweisung.
Parameter = technische Einstellung.

1. Prompt-Kürzel: praktische Kurzschrift

Nehmen wir:

/bokeh

Wenn ChatGPT dieses Wort innerhalb Deiner Bildbeschreibung sinnvoll interpretiert, kann daraus beispielsweise ein Motiv mit geringer Schärfentiefe und weich verschwommenem Hintergrund entstehen.

Das heißt aber nicht, dass im Hintergrund ein offizieller technischer Schalter namens /bokeh auf „Ein“ gestellt wurde.

Das Kürzel funktioniert vielmehr als sprachlicher Hinweis innerhalb Deiner Anweisung.

Das Gleiche gilt sinngemäß für Schreibweisen wie:

/studio
/goldenhour
/crosssection
/ultrarealistic

Ich finde solche Kürzel trotzdem interessant.

Gerade beim Experimentieren können sie eine hervorragende Merkhilfe und visuelle Kurzschrift sein. Statt jedes Mal eine ausführliche Beschreibung zu schreiben, erinnert mich /bokeh beispielsweise sofort daran, welche Bildwirkung ich ausprobieren möchte.

Problematisch wird es erst, wenn aus dieser praktischen Kurzschrift vermeintliche technische Tatsachen werden.

Der Slash macht aus einem Wort noch keinen technischen Befehl.

2. Ein normaler Prompt kann dasselbe präziser beschreiben

Statt

/bokeh /studio

könntest Du beispielsweise schreiben:

„Erzeuge einen unscharfen Hintergrund mit weichem Bokeh und professioneller Studiobeleuchtung.“

Jetzt beschreibst Du direkt, was Du möchtest.

Und Du kannst weiter präzisieren:

„Das Gesicht bleibt scharf und natürlich ausgeleuchtet. Der Hintergrund liegt deutlich außerhalb der Schärfeebene und zeigt ein weiches, rundes Bokeh.“

Aus einem Kürzel wird eine konkrete kreative Anweisung.

Das ist ein wichtiger Unterschied:

Ein Prompt muss nicht wie Programmcode aussehen, um präzise zu sein.

Gerade moderne generative KI ist schließlich dafür gemacht, Sprache zu verstehen.

3. Und dann gibt es tatsächlich technische Parameter

Hier wird es etwas technischer – aber nur ein bisschen. 😉

Wer Bilder über die OpenAI API erzeugt, kann bestimmte Einstellungen tatsächlich als definierte technische Parameter übergeben.

Aktuelle Beispiele sind unter anderem:

size – Bildgröße
quality – Ausgabequalität
background – Hintergrund
output_format – Dateiformat
output_compression – Komprimierung
n – Anzahl der erzeugten Bilder

Beim Bearbeiten von Bildern kommen je nach Verfahren beispielsweise Eingabebilder und Masken hinzu.

Diese Einstellungen stehen nicht einfach als kreative Wörter im Beschreibungstext, sondern werden technisch separat an das System übergeben.

Genau deshalb verdienen sie den Begriff Parameter.

OpenAI formuliert es in seiner aktuellen Prompting-Dokumentation sogar sehr passend:

API-Parameter werden getrennt vom Prompt festgelegt.

/8k und size="3840x2160" sind nicht dasselbe

Hier wird der Unterschied besonders anschaulich.

Schreibst Du:

/8k

dann kann die KI das beispielsweise als Wunsch nach einer besonders hochauflösenden, detailreichen oder hochwertigen Bildwirkung interpretieren.

Das Wort allein garantiert aber keine Bilddatei mit 7.680 × 4.320 Pixeln.

Es ist zunächst Sprache.

Bei einem aktuellen GPT-Image-2.5-Modell kann dagegen beispielsweise size="3840x2160" eine konkrete technische Vorgabe für die erzeugte Bildgröße sein.

Und hier zeigt sich gleichzeitig, warum ich bei KI-Themen Aktualität so wichtig finde:

Die derzeitige OpenAI-Dokumentation unterstützt bei GPT Image 2.5 individuelle Bildgrößen bis maximal 3.840 Pixel Kantenlänge unter bestimmten Bedingungen. 3840 × 2160 wird ausdrücklich als mögliches 4K-Querformat aufgeführt; Größen oberhalb von 2560 × 1440 gelten derzeit allerdings noch als experimentell.

8K-Wirkung im Prompt und 4K-Ausgabe als technische Einstellung sind also zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Auch bei Transparenz sieht man den Unterschied schön

Prompt-Kürzel:

/transparent

Das kann von der KI als Wunsch nach einem transparenten beziehungsweise freigestellten Hintergrund verstanden werden.

Technische Einstellung:

background="transparent"

Hier wird die Hintergrundoption tatsächlich als definierter Parameter übergeben.

Bei den aktuellen GPT-Image-Modellen muss für transparente Ausgaben zusätzlich ein geeignetes Ausgabeformat wie PNG oder WebP verwendet werden.

Das ist keine Frage der Formulierung mehr, sondern eine dokumentierte technische Einstellung.

Also lieber keine Kürzel mehr?

Doch. Genau das wäre für mich die falsche Schlussfolgerung.

Wenn Dir /studio, /bokeh oder /goldenhour helfen, schneller gute Prompts zusammenzustellen, spricht überhaupt nichts dagegen.

Du könntest Dir sogar eine eigene kleine Sammlung solcher Kürzel aufbauen.

Dann solltest Du lediglich wissen:

Das ist Deine Prompt-Systematik – nicht automatisch die technische Befehlssprache von ChatGPT.

Und genau dieses Wissen macht Dich beim Prompting unabhängiger.

Du musst nicht darauf hoffen, irgendwo die nächste Liste „geheimer Codes“ zu entdecken.

Du kannst verstehen, welche Bildwirkung hinter einem Begriff steckt, und diese Wirkung anschließend selbst in natürlicher Sprache beschreiben, kombinieren und verfeinern.

Mein Merksatz

Prompt-Kürzel = Merkhilfe.
Prompt = kreative Anweisung.
Parameter = technische Einstellung.

Oder noch kürzer:

Nicht jeder Begriff, den eine KI versteht, ist deshalb schon ein technischer Parameter.

Wer diesen Unterschied kennt, kann solche Kürzel weiterhin mit Freude benutzen – nur eben mit einem besseren Verständnis dafür, warum sie funktionieren.

Und genau darum geht es mir beim Umgang mit KI:

Nicht möglichst viele vermeintliche Zauberwörter auswendig lernen.

Sondern verstehen, was ich tue.

Idee, Einordnung und iT-Coach-Perspektive: Peter Jansen · Faktencheck, Struktur und sprachliche Ausarbeitung gemeinsam mit ChatGPT – der Mensch entscheidet, was er vermitteln möchte; die KI hilft, es sauber zu sortieren.

Peter Jansen, IT- und KI-Trainer

Über den Autor

Peter Jansen

Peter Jansen ist seit 1990 als EDV-Dozent tätig. In seinen IT- und KI-Trainings verbindet er technisches Wissen mit praxistauglichem Zeit- und Selbstmanagement.

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